Mittwoch, 21. September 2011

Predigt für den Hauskreis

Irgend klingt die Überschrift nicht gerade einladend. Achtung, ein Blogeintrag nur für den Hauskreis. Da stellt sich doch die Frage, weshalb eine Predigt für den Hauskreis? Muss dem Hauskreis gepredigt werden?
Eigentlich ist es ganz einfach erklärt. Für die Predigt am 11. September in Lampertheim hat mein Hauskreis wertvolle Impulse geliefert. Und da interessiert die Hauskreisleute natürlich das Ergebnis. Da es von der Predigt eine Audioaufzeichnung gibt, stelle ich hier den Link zur Verfügung. Für die lieben Kollegen vom Hauskreis und andere, die es interessiert.

http://baptisten-lampertheim.de/content/aktuell/audiopredigt.html

Montag, 4. Juli 2011

Plötzlich sind die Benzinpreise wieder interessant

Heute kam ich mir seltsam vor. Als ich von Klein-Linden kommend nach Lützellinden fuhr und am Ortsschild vorbei rauschte, war da so ein Gefühl in der Magengegend. Seit Monaten bin ich nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit gefahren. Den kleinen Berg, den ich kurz vor der Ankunft erklimmen muss, konnte ich spielerisch nehmen - ein Druck auf das Gaspedal machte es möglich. Irgendwie ungewohnt. Zu meiner Verteidigung kann ich natürlich sagen, dass gestern mein Vorderrad am Fahrrad zweimal derart platt war, dass es eine Generalüberholung braucht. Ein mittags eingesetzter neuer Schlauch sollte nicht abends schon wieder kaputt sein.
Wie auch immer - das "ohne Auto Experiment" hat wirklich viel gebracht. Wir wissen jetzt, dass wir ohne Auto auskommen. Natürlich ist es für uns auch einfacher: Christina muss zur Schule nur drei Kilometer fahren, ich habe nur 10 Kilometer zur Arbeit. Der Bäcker ist 300m entfernt, ein Supermarkt 800 Meter. Die Sixt-Niederlassung haben wir am Ende der Straße und der Bus fährt fast vor der Haustür ab. So wäre ich heute morgen sicher auch mit dem Bus zur Arbeit gekommen. 
Aber es ist schön, wieder mobiler zu sein. Ein eigenes Auto ist eben doch ein Stück Freiheit. Und dafür sind wir dankbar. An den regelmäßigen Blick auf die Benzinpreise zwecks Schnäppchenjagd muss ich mich allerdings erst wieder gewöhnen. Vielleicht poste ich hier auch noch ein paar Dinge, die uns während der Zeit ohne Auto beschäftigt haben. Für den Moment soll es aber genügen, das Ende des "ohne Auto Experiments" zu vermelden.

Donnerstag, 28. April 2011

Radfahren an der Lahn

Es ist fast ein Stück Kommunalpolitik: Wenn in einer Stadt oder einem Dorf ein Ereignis zum zweiten Mal einigermaßen erfolgreich stattfindet, dann spricht der schirmherrende Bürgermeister oft von "Tradition". Und natürlich folgt sofort die Einschränkung, dass man beim zweiten Mal nicht von Tradition sprechen kann. Aber schön wäre es durchaus, wenn das Ereignis von nun an bis in alle Ewigkeiten regelmäßig stattfinden könnte. 
So ähnlich geht es uns mit dem Ostersonntagsausflug. Letztes Jahr haben wir die weitere Umgebung zu erkunden versucht und einen schönen Tag in Biedenkopf verbracht. Hier der Link dazu. Und schon machen wir eine Tradition daraus: Dieses Jahr am Ostersonntag sind wir nach dem Osternachtsgottesdienst aufgebrochen, um mit einem Hessenticket und unseren Fahrrädern ausgestattet den Lahnradweg zwischen Limburg und Weilburg zu erkunden. Gegen Mittag hatten wir Limburg erreicht und erst einmal die Altstadt erkundet. 
Von da aus sind wir an die Lahn gefahren und nach Runkel geradelt. Dort gibt es eine sehr schöne alte Burgruine. Auf dem Weg finden sich wundervolle Dörfer, Kirchen und Burgen. Von Runkel aus ging es weiter bis nach Fürfurt, wo wir uns Currywurst und Hähnchennuggets gegönnt haben. Nach der Fastenzeit war es fast ein wenig ungewohnt, wieder Fleisch zu essen. Leider ist Christinas Plan, meine Ostergeschenke zu verstecken, nicht ganz aufgegangen. Um so mehr habe ich mich aber über zwei neue Comicbände aus der Bildzeitungsbibliothek gefreut. Ohne Suchen. Eine kleine Rast am Ufer der Lahn bot Gelegenheit, schon mal ein paar Seiten zu lesen. 
Danach ging es direkt nach Weilburg. Wenn man den steilen Berg der Altstadt erklommen hat, öffnet sich vom Schlosspark ein schöner Blick ins Lahntal. Nach einem riesigen Eisbecher für jeden ging es dann noch einmal auf die Räder. Die Strecke von Limburg nach Weilburg ist rund 40 Kilometer lang und wir wollten noch ein paar Kilometer drauflegen. Christina hat dann in Löhnberg auf den Zug gewartet. Ich habe die Zeit genutzt und bin noch bis zum nächsten Bahnhof in Leun geradelt. Am Ende des Tages war ich 60 Kilometer unterwegs gewesen, bei Christina waren es rund sechs weniger. 
Das Fazit: Der Weg von Limburg nach Weilburg ist absolut empfehlenswert. Beide Städte sind sehenswert und die Strecke ist ruhig und ideal für Radfahrer. Vielleicht ist es sinnvoll, ihn in die andere Richtung zu fahren also flussabwärts. Ab Löhnberg wird der Radweg hügeliger und ist nicht mehr ganz so schön. Ein idealer Tagesausflug!

Weitere Bilder:

Samstag, 23. April 2011

Warum es um das "Ohne-Auto-Experiment" so ruhig ist

"Euer Auto scheint Euch nicht wirklich zu fehlen..." formulierte neulich ein Freund von uns. Es war ein Satz zwischen staunender Feststellung und neugierigem Fragen. Und auch uns erstaunt es sehr: es fehlt uns wirklich nicht! Manchmal wäre es natürlich einfacher mit Auto: Getränke einkaufen geht eben nur nach und nach. Samstags und Sonntags schwimmen ist nicht mehr einfach so möglich, aber selbst da würde mich jemand mitnehmen. Letztes Jahr sind wir am Ostersonntag mit dem Auto nach Norden gedüst, morgen werden wir uns ein Hessenticket kaufen und den Zug nach Süden nehmen. 
Aber so richtig gefehlt hat es uns bisher nicht. Und manchmal kommen wir sogar zu lustigen Annehmlichkeiten: Im Mai fahren wir zum Geburtstag meines Schwiegervaters und heute habe ich dazu den Zug gebucht. Auf der Suche nach Sonderangeboten habe ich die einfache Reise Gießen-Chemnitz für 90 Euro für zwei Personen buchen können. Da das Ticke für die zweite Klasse ebenso teuer war wie für die erste Klasse, reisen wir Mitte Mai erster Klasse nach Chemnitz. Und wenn ich mich nicht verrechnet habe, dann gehen wir schon straff auf die Halbzeit zu. Anfang Mai ist quasi Bergfest, passend dazu geben Freunde von uns eine Party. Naja - nicht als Bergfest, aber wir können ja ganz verschämt daran denken.
Übrigens hat der alte Wagen schon seit ein paar Tagen einen neuen Besitzer. Es ist alles gut gelaufen, wir haben den Golf bei Ebay zu einem sehr akzeptablen Preis versteigert. Am Tag der Abholung war es dann doch ein wenig sentimental. Er war uns viele Jahre ein treuer Begleiter. Wir waren mit ihm zur Hochzeitsreise, so manches tief greifende Gespräch hat er geduldig angehört und alles in allem war er treu und wenig reparaturanfällig. Und so fehlt er dann doch - der gute alte Golf IV...
... ein wenig zumindest.

Donnerstag, 7. April 2011

Was die FDP mit Schalke zu tun hat

Oder: Petrus und die Kraft der Vergebung 

Bild: Dirk Vorderstraße,
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Ich gebe zu: Vorgestern habe ich Fußball geschaut. Und ich gebe zu: Ich beobachte die FDP. Und als ich gestern den Computer anschaltete, um das Spiel gegen Inter Mailand zu sehen, da dachte ich, beide hätten doch einiges gemeinsam: Der FC Schalke 04 spielt – im Gegensatz zu den Bayern – in der Champions League. Und doch haben sie ihren Trainer entlassen. Eine Topmannschaft steht nun mal nicht im unteren Teil der Bundesligatabelle. Die FDP ist Koalitionspartner in der Bundesregierung. Und doch haben sie vehement den Abgang ihres Trainers – Verzeihung – Parteichefs gefordert. Und nun geht er. Das schlechte Abschneiden in der Bundesliga – Verzeihung – bei Landtagswahlen ist ja auch wirklich ein Grund.


Ich werde mich jetzt hüten, Philipp Rösler mit Ralf Rangnick zu vergleichen. Der Rangnick ist ja auch ein wenig älter als der Rösler. Aber ich stelle fest, dass unsere Gesellschaft immer mehr in Richtung Auswechslung tendiert. Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, wechselt man den Trainer (das ist in der Bundesliga in den letzten Wochen intensiv praktiziert worden). Wenn ich Probleme habe, dann wechsle ich den Freundeskreis. Wenn mir mein Partner nicht mehr gut tut, dann müssen wir halt getrennte Wege gehen. Aushalten ist anscheinend nicht mehr gefragt, etwas gemeinsam durchzustehen über flüssig wie ein Kropf.


Ich mag die Bibel sehr, weil sie auch zu diesem Thema etwas zu sagen hat: Petrus war der Anführer der Jünger Jesu. Er war derjenige, der absolut von seiner Treue überzeugt war. Er war der geborene Trainer. Und dann enttäuscht er Jesus maßlos, verleugnet ihn. Er rennt heulend weg und lässt den ganzen ungeordneten Haufen ohne Führung. Ganz klarer Fall für eine Entlassung. Das Management muss doch handeln! Doch Jesus tut etwas ganz Anderes: Er vergibt ihm und bekräftigt seine Aufgabe. Petrus behält seine Aufgabe trotz des gigantischen Fehlers, den er getan hat!


Bild: Orchi
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Nun sind in den vergangenen Jahren viele Politiker über ihre Fehler gestolpert. Oder über ihren Misserfolg. Letzteres ist vielleicht nachvollziehbar. Aber meist sind es dieselben, die vorher für den Erfolg standen. Ein Westerwelle wurde gefeiert, weil unter seiner Leitung die FDP plötzlich wieder in Landtage einzog und an Regierungen beteiligt wurde. Und jetzt ist sie zwar noch an der Regierung beteiligt, das mit den Landtagen sieht aber gar nicht mehr rosig aus. Ich bin gespannt, wer die Verantwortung übernimmt, wenn die Grünen zwei Jahren vielleicht doch nur 8% der Stimme bei der Bundestagswahl erhalten? Muss dann Cem Özdemir die Verantwortung übernehmen?


Schwieriger ist es mit den Fehlern. Ich mag mich keinesfalls zu einem Urteil aufschwingen Dass es moralisch verwerflich ist, Reisen auf Kosten von Industriekapitänen zu machen, Zitate nicht als solche zu kennzeichnen, Handwerker schwarz zu beschäftigen oder alkoholisiert Auto zu fahren ist klar. Und ob ein Rücktritt gerechtfertigt ist oder nicht, das habe ich – zum Glück! – nicht zu entscheiden.


Bei Petrus fällt mir aber auf, dass er offensichtlich gestärkt aus der ganzen Geschichte rausgeht. Jesus geht ihm nach und er zeigt ihm, dass er trotz seiner Fehler angenommen ist. Und Petrus macht auch wieder Fehler, alles andere wäre unmenschlich. Ich bin dafür, dass wir als Menschen akzeptieren, dass wir Fehler machen und sie trotzdem zu vermeiden suchen. Ich bin dafür, dass wir die befreiende Kraft der Vergebung wieder entdecken. Und ich bin dafür, dass wir – so wie Jesus bei Petrus und vielen anderen – das Gute im Menschen suchen.


Herrn Westerwelle würde ich allerdings trotzdem nicht wählen und ob ich Schalkefan werde – das sei mal noch dahingestellt.

PS: Wer sich mit Petrus beschäftigen will:
Die Berufung: Matthäus 4,18-2
Petrus geht auf dem Wasser: Matthäus 14,22-33
Die Zusage an Petrus: Matthäus 16,18
Jesus sagt Verleugnung voraus: Matthäus 26, 34-35
Petrus verleugnet Jesus: Matthäus 26,58-75
Jesus erneuert seinen Auftrag: Johannes 21,15-19

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